Die von Zwickauer Nazis begründeten Bekleidungsmarken »Barstool Sports«, »Brachial« und »Eastfight« werden auch in Leipzig von der rechten Szene vertrieben
Schwerpunkt der Leipziger Naziszene ist der Osten der Stadt: Im Täubchenweg 43b eröffnete der Stötteritzer Lok-Hooligan Christian Pohle am 3. Dezember das Bekleidungsgeschäft »Fighting Catwalk«. Das Sortiment ist einschlägig: Neben der vom Zwickauer Neonazi Ralf Marschner gegründeten Marke »Brachial« gibt es eine breite Palette an »Thor Steinar«-Textilien mit altem und neuem Logo.
Im gleichnamigen Onlineshop gibt es T-Shirts mit »Fighting Fellas«-Aufdruck. Womöglich handelt es sich um restliche Lagerbestände von Thomas Persdorfs »Front Records« (Wurzen), der die »Fighting Fellas« in der Vergangenheit unterstützt hat. Pohles Geschäftsadresse verweist indes auf die Puschkinstraße 22 in Eilenburg, wo der 27-Jährige, der ansonsten für die »Black Rainbow«-Security arbeitet, schon länger am Laden »Crash Style Store« mitverdient. Im dortigen Sortiment befinden sich ebenfalls Klamotten von »Brachial«.
Auch die Verbindung zu den berüchtigten »Fighting Fellas«, zu denen Pohle gehört, ist nicht offensichtlich. Die Gruppierung wird seit Mitte der 2000er von Matthias Eichler angeführt, welcher heute im »BoxGym« in der Eisenbahnstraße 121 trainiert. Die Website des »BoxGym« bewirbt allerdings weiterhin die »Fighting Fellas« – die nun „seriöse“ Promotion für Kampfsport-Veranstaltungen offeriert. Allerdings waren „seriöse“ Mitglieder der »Fighting Fellas« noch im Oktober 2009 an dem Überfall auf Fans und Spieler des »Roten Stern Leipzig« in Brandis beteiligt. Mit dem Labelchef und ehemaligen »Thor-Steinar«-Mitarbeiter Udo Siegmund, einem Neonazi aus Brandenburg, ist Pohle befreundet. Als Spieler von »Einheit Leipzig Ost« kennt er etliche Nazis mit Fußball-Faible.
Verbindungen in Richtung Leipzig bestehen auch über den Zwickauer Naziladen »Eastwear Department«, ehemals »The Last Resort Shop«. Dessen Eigentümer Marco Hampel vertreibt inzwischen eine Eigenmarke unter dem Namen »Eastfight«. Dieses Label macht einen Großteil des Sortiments in der Kreisigstraße aus. Die Bekleidung von »Eastfight« gibt es auch im »Streetwear & Fitness Shop LE« im Leipziger Osten zu kaufen. Dieses Geschäft wird von Oliver Riedel betrieben und befindet sich im Gerichtsweg 11, nur etwa 500 Meter entfernt zum bereits erwähnten Geschäft »Fighting Catwalk« von Christian Pohle. (mehr…)
Bei Heimspielen versucht der FSV Zwickau »Thor Steinar« aus dem Stadion zu verbannen, aber das kann nur der Anfang sein
Nachdem der FSV Zwickau in seinem Heimspiel gegen Lok Leipzig am 16. November erstmals den Versuch unternahm, ein Verbot der bei Neonazis beliebten Bekleidungsmarke »Thor Steinar« durchzusetzen, folgte anlässlich des vergangenen Heimspiel am 25. November eine Reaktion aus rechten Kreisen der Zwickauer Fanszene. Die Gruppierung »A-Block Zwickau« hatte ein Transparent mit der Aufschrift „Wir kleiden uns neu ein für unseren Verein!!! R.I.P. TS“ gezeigt. Die Gruppe, die über personelle Überschneidungen zur Kameradschaft »Nationale Sozialisten Zwickau« verfügt, wollte damit offensichtlich ihr Bedauern über das neuerlichen Verbot von »Thor Steinar« („TS“) bei Heimspielen des FSV Zwickau zum Ausdruck bringen.
Laut einem Bericht der »Chemnitzer Morgenpost« vom 28. November waren bei jener Begegnung auch eindeutige Schlachtgesänge aus dem Fanblock der ehemaligen »Thor Steinar«-Träger zu vernehmen, die an der politischen Gesinnung dieser Fans keinen Zweifel lassen: „Wismut Aue – Jude, Jude, Jude“, „Eine U-Bahn bauen wir, von Aue bis nach Auschwitz“ und „Terrorzelle Zwickau – Olé Olé Olé“. Vor dem Hintergrund, dass auch positiv auf die Taten der nazistischen »Zwickauer Zelle« Bezug genommen wird, ist das zeigen einer norwegischen Fahne besonders geschmacklos. Auch der Gruppierung »A-Block Zwickau« dürfte das von einem norwegischen Nazi begangene Massaker nicht entgangen sein.
In einer ersten Stellungnahme haben die Vereinsverantwortlichen die „verbalen Entgleisungen faschistischer Gesinnung“ bereits verurteilt. In seinem Bemühen die „ewig Gestrigen“ aus dem Stadion zu verbannen, zählt der FSV nun auf die Unterstützung seiner Anhänger. Das »Aktionsbündnis gegen Naziläden in Zwickau« hofft, dass es dem Verein gelingt ein Verbot der Marke »Thor Steinar« durchzusetzen, wenngleich es dabei angesichts einiger offensichtlich nazistischer Anhänger nicht bleiben kann.
Münsteraner Großhandelsunternehmen stellt Zusammenarbeit mit dem Zwickauer Naziladen »Eastwear« mit sofortiger Wirkung ein
Nachdem der britische »The Telegraph« im Zusammenhang mit der jüngsten Serie von nazistischen Morden auch über den Zwickauer Naziladen »Eastwear« berichtet hatte, hat die »Sama2 Distribution GmbH« aus Münster nun die sofortige Beendigung der Zusammenarbeit mit dem Bekleidungsgeschäft in der Kreisigstraße angekündigt.
Auf dem Facebook-Profil der Bekleidungsmarke »Iron Fist« war am 24. November folgende Meldung zu lesen: „Wir haben soeben erfahren, dass ein Geschäft in Ostdeutschland neben »Iron Fist« auch Nazi-Klamotten anbietet. Wir möchten uns hiermit klar und deutlich von dieser BRAUNEN SCHEISSE distanzieren und haben die Zusammenarbeit sofort eingestellt. »Iron Fist« steht für Individualität, Offenheit und Toleranz und will und wird nie und nimmer etwas mit diesem Dreck zu tun haben! WIR STEHEN GEGEN RASSISMUS UND ALLE ANDEREN MENSCHENVERACHTENDEN IDEEN EIN!!!“
Das »Aktionsbündnis gegen Naziläden in Zwickau« beglückwünscht das Münsteraner Unternehmen ausdrücklich zu dieser Entscheidung und hofft, dass weitere Handelspartner ebenfalls ihre Zusammenarbeit mit dem Naziladen »Eastwear« einstellen! Ladenschluss Jetzt!
Ehemaliger »The Last Resort Shop« verhöhnt Opfer des Naziterrors | Englisches Original von C. Freeman in »The Telegraph« aus London
Versteckt in einer Seitenstraße, einige Gehminuten von einem tristen, mit Graffiti bedeckten Busbahnhof entfernt, bietet das »Eastwear« -Bekleidungsgeschäft in Zwickau alles, was sich der heutige smart gekleidete Neonazi nur wünschen kann.
Neben T-Shirts und Bomberjacken der Freizeit-Marke »Thor Steinar« – Deutschlands Antwort auf die bei britischen Skinheads beliebten Marken »Fred Perry« und »Lonsdale« – gibt es eine umfangreiche Garderobe für diejenigen, die mittels ihrer Kleidung gern ihrer Gesinnung Ausdruck verleihen; von »Hooligan«-Handschuhen bis hin zu »Hatewear« und »Iron Fist«-Sweatshirts.
Vergangene Woche aber war der unheimlichste der ausgestellten Artikel nicht etwa ein T-Shirt mit Schlagring und dem Bild gekreuzter Baseballschläger, sondern ein an der Vorderseite des Tresens angebrachtes T-Shirt mit einem Aufdruck des »Pink Panther« und dem Schriftzug »Staatsfeind« beziehungsweise »enemy of the state«.
„Es ist nur ein Aufdruck, das hat nichts mit Neonazi-Politik zu tun“, betonte der Verkäufer, der sich selbst nur als Thomas vorstellte, als er auf die Frage antwortete, warum er es vorn an seiner Theke angebracht hatte: „Achtzig Prozent unserer Kunden sind ohnehin ganz normale Menschen, und außerdem würden echte Neonazis hier keine Klamotten kaufen – die wollen unentdeckt bleiben.“
Aber weshalb hat er das T-Shirt dann erschrocken aus der Auslage genommen und hinter der Theke versteckt? Ein naheliegender Hinweis findet sich beim Besuch einer ruhigen Straße in einem Vorort am anderen Ende der Stadt Zwickau. Hier hat sich vor zwei Wochen eine grausige Kette von Ereignissen zugetragen, die zeigt, dass die „echten“ Neo-Nazis tatsächlich mehr als nur Mode-Statements abgeben.
Fortsetzung in Englisch: hier!
A series of murders by a Neo-Nazi gang has sparked fresh soul-searching in Germany, reports Colin Freeman.
Tucked down a side street a few minutes‘ swagger from a drab, graffiti-covered bus station, the „Eastwear“ clothes store in Zwickau has everything today’s smartly dressed neo-Nazi-about-town could want.
As well as shirts and bomber jackets by the leisure brand Thor Steinar – Germany’s answer to the British skinhead favourites Fred Perry and Lonsdale – there is an extensive wardrobe for those who like their tailoring with rather more attitude, from „Hooligan“ brand gloves through to „Hatewear“ and „Iron Fist“ sweatshirts.
Last week, though, the most sinister item on show was not the T-shirt with the knuckle-duster and crossed baseball bat motif, but the T-shirt pinned to the front counter with a cartoon of the Pink Panther, bearing the logo „Staatsfeind“, or „enemy of the state“.
„It’s just a logo, it doesn‘t have anything to do with neo-Nazi politics,“ insisted the shop assistant, who identified himself only as Thomas, when asked why he had it pinned to the front of his counter. „Eighty per cent of our customers are just normal people anyway, and besides, real neo-Nazis wouldn‘t buy clothes here – they‘d want to stay undetected.“
So why, then, did he anxiously whisk the T-shirt from the display and hide it behind the counter? An obvious clue can be found by visiting a quiet suburban street on the far side of Zwickau, where two weeks ago, a grisly chain of events proved that „real“ neo-Nazis do indeed go for more than just fashion statements. (mehr…)