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Netzschkau: Unerwünschter Nazi-Laden

Direkt am Marktplatz von Netzschkau in einem Eckhaus hat am 16. Mai das „Nordlicht“ eröffnet. Ein Laden, der die rechte Szene mit Bekleidung und Musik versorgt. Nur wenige Meter weiter das frisch sanierte Schulzentrum. Unser Hörer Tobias H. fragt, ob man etwas gegen den Laden tun kann. Ine Dippmann hat sich erkundigt.

Der Marktplatz von Netzschkau. Den Laden im Haus der Ferdinand-Freiligrath-Straße 1 erkennt man nur am Schild: Nordlicht Germanien. Denn die Schaufenster zum Markt hin sind verhangen. Der Laden gehört dem Greizer NPD-Vorsitzenden Thomas Meisser. Er verkauft CDs und Bekleidung von Marken, die von Rechtsextremen bevorzugt getragen werden. Ein Schulweg führt direkt am Laden vorbei. Muss man das hinnehmen? Schuldirektor Jürgen Dillner hat das Netzwerk Sachsen gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit um Hilfe gebeten. Dessen Gründer Klaus Gertoberens sagt zum Szeneladen Nordlicht: „Es gibt mehrere Ansatzpunkte. Der erste ist, dass man schaut, ob alles ordungsgemäß angemeldet ist, dass alle Steuern gezahlt sind, dass es in diesem Laden ordnungsgemäß zugeht. Beim Ordnungsamt kann man schauen, ob alle Vorgaben eingehalten sind. Auch der Verfassungsschutz wird garantiert schauen, ob nichts Verfassungswidriges oder Verfassungsfeindliches dort angeboten wird.“

Regionale Gruppen verweisen auf Erfolge

All das sei in Netzschkau getan worden, doch damit sei man sehr schnell am Ende. Wichtig sei nun, dass die Bürger weiter zeigen, diesen Laden wollen wir hier nicht in unserer Gemeinde haben. Klaus Gertoberens: „Der Kampf gegen Rechtsextremismus muss aus der Gesellschaft wachsen. Und das ist die Zivilgesellschaft, wie es so schön heißt. Und die Zivilgesellschaft, das sind die Initiativen, die Vereine, die einzelnen Bürger.“ Wie der Protest funktionieren kann, zeigen die sogenannten Ladenschluss-Gruppen. Im Mai haben sie sich zu einem sachsenweiten Bündnis zusammengeschlossen. Ihr Ziel: zu erklären, wie Naziläden rechten Lifestyle verbreiten und dagegen agieren. Erfolge hat zum Beispiel die Leipziger Ladenschluss-Gruppe zuletzt gefeiert, als ein Thor-Steinar-Laden aus der Innenstadt ziehen musste. Doch die Proteste gehen oft einher mit Sachbeschädigungen.

Netzschkauer Geschäftsleute haben Glasversicherungen für ihre Schaufenster abgeschlossen, als sich Demonstranten gegen den Naziladen ankündigten. Bürgermeister Werner Müller sagt: „Von mir aus kann man dort jedes Wochenende vor dem Haus protestieren, aber friedlich mit Transparenten und anderem. Aber die Aktionen, das Haus zu beschädigen oder zu beschmieren, bringt in dem Sinne gar nichts.“

Eigentümer hat Streit mit der Stadt

„Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg“ haben Unbekannte an das Haus gesprüht. Dessen Eigentümer Uwe Engel hat sich in der Stadt unglaubwürdig gemacht, wollte erst nichts über den Hintergrund der Mieter gewusst haben, gab später zu, sie als Druckmittel gegen die Stadt zu nutzen und kündigte nun an, das Geschäft an die Ladenmieter zu verkaufen. Die Auseinandersetzungen mit der Stadt wurden über Aushänge und offene Briefe geführt. Trotzdem sagt Bürgermeister Werner Müller: „Mein Haus und meine Abteilung stehen Herrn Engel offen, seine Probleme hier an uns heranzutragen. In der Zwischenzeit ist auch das eine oder andere Problem geklärt worden, aber er hat die Entscheidung getroffen, und wie es weiter geht, müssen wir sehen.“

Laden ist ein Erbe

Gemeinsam mit dem Schuldirektor nimmt der Bürgermeister an einer Arbeitsgemeinschaft teil, in der die Bürgermeister und Initiativen mehrerer umliegender Gemeinden beraten, wie sie sich im Kampf gegen Rechts helfen können. Denn den Problemladen hat Netzschkau von Mylau geerbt, wo sein Auszug teuer erkauft wurde. Jetzt werden Konzerte, Treffen mit ehemaligen Rechten und Zeitzeugen der Naziherrschaft organisiert. Und Aufklärung an der Schule, mit Klaus Gertoberens vom Netzwerk gegen Rechts zum Beispiel. Sein Fazit: „Ich selber habe beobachtet dass die Kinder diesen Laden achtlos an der Seite liegen lassen. Insofern denke ich, dass die Gefahr, dass die Kinder infiltriert werden könnten, nicht gegeben ist. Man muss solch einem Laden nicht mehr Gewicht geben als er hat.“

Quelle:
MDR Info/ Hörer machen Programm/ 21.09.2009

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