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Politiker fordert Plauener Thor-Steinar-Laden zu schließen

Schwanitz: „Mit Nazis macht man keine Geschäfte“

Nach einem Medienbericht über den Thor-Steinar-Laden „Oseberg“ in den Kolonnaden Plauen führte der Bundestagsabgeordnete Rolf Schwanitz (SPD) Gespräche mit dem Centermanager und machte sich vor Ort ein Bild. Sein Fazit ist klar:

„Das Betreiben eines Thor-Steinar-Ladens im Zentrum von Plauen ist ein Skandal. Dabei ist es egal, ob das Centermanagement der Kolonnaden dies aus Unwissenheit oder Naivität ermöglichte. Ich fordere die Kolonnaden GbR auf, den Nutzungsvertrag mit dem Naziszene-Laden umgehend zu beenden und auf dessen baldige Schließung zu drängen. Plauen darf nicht zum Magnet für Neonazis werden! Mit Nazis macht man keine Geschäfte. Das richtet sich gegen jeden Bürger.“

Nach dem Zeitungsbericht über den Thor-Steinar-Laden „Oseberg“ in den Plauener Kolonnaden wollte der Bundestagsabgeordnete Klarheit. Er telefonierte deshalb am Dienstag mit dem verantwortlichen Centermanager Oliver Götte in Jena, um sich über den neu eröffneten Laden zu informieren. Götte wollte beschwichtigen: Der Zeitungsartikel sei an mehreren Stellen falsch. Der Mieter sei natürlich nicht die Firma MediaTex GmbH, welche die Thor-Steinar-Sachen produziert. Und überhaupt sei die Marke Thor Steinar „nur ein Teilsortiment“; es gäbe dort ein gemischtes Warensortiment im Angebot (als ob das etwas besser machen würde). Und natürlich vergaß Götte nicht, auf die großzügige finanzielle Unterstützung der Kolonnaden für den Plauener Weihnachtsmarkt hinzuweisen. Der SPD-Politiker kündigte an, sich selbst ein Bild vom Laden machen zu wollen.

Dass sich bereits in diesem ersten Telefonat beim Centermanager zeigende Unwissen ist erschreckend, kritisiert der Abgeordnete. Die Modemarke Thor Steinar ist in der Neonaziszene äußerst beliebt und wird u.a. in einigen Läden direkt vom Hersteller vertrieben (die Läden haben unterschiedliche Bezeichnungen: Oseberg, Narvik, Tönsberg, Trondheim, Larvik, Tromsö). Im Deutschen Bundestag, dem Landtag von Mecklenburg-Vorpommern und in zahlreichen Fußballstadien ist das Tragen von Thor-Steinar-Kleidung untersagt. Im aktuellen Verfassungsschutzbericht aus Brandenburg (2008) heißt es zu Thor Steinar: „Das in Zeesen (Dahme-Spreewald) ansässige Unternehmen Mediatex GmbH produziert die bei Rechtsextremisten hoch im Kurs stehende Marke ‚Thor Steinar‘. Das Sortiment der Firma Mediatex kann als Bedienung völkischer Symbolik in Farbgebung und Schrifttyp – etwa durch das Verwenden von Tarnfarben und -mustern oder gedruckten Schriftzügen in Runenschrift – verstanden werden. Auch gibt es Bekleidungsstücke mit militärischen Reminiszenzen. Hierzu zählt die ME 262 – ein in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges als ‚Wunderwaffe‘ angepriesenes Flugzeug. Das Tragen von ‚Thor Steinar‘ dient als identitätsstiftendes Erkennungszeichen unter Rechtsextremisten.“

Am Dienstagnachmittag machte sich der Bundestagsabgeordnete Rolf Schwanitz in den Kolonnaden selbst ein Bild. In der Auslage des Oseberg-Ladens fand er tatsächlich ausschließlich Thor-Steinar-Ware. Auch die Werbung im Laden selbst spricht eine eindeutige Sprache. Auf die Frage an eine Verkäuferin, wer der Eigentümer des Ladens sei, erhielt der Abgeordnete die Antwort, das wisse man nicht. Rolf Schwanitz informierte im Anschluss daran sofort den etwas erstaunt wirkenden Centermanager über seine Eindrücke. Schwanitz forderte von Oliver Götte unmissverständlich, auf eine Schließung des Szene-Ladens hinzuwirken. Schwanitz wies auch darauf hin, dass der Oseberg-Laden in den Plauener Kolonnaden unter www.thorsteinar.de, dem online-shop des Thor-Steinar-Herstellers MediaTex GmbH, direkt als Thor-Steinar-Laden ausgewiesen und beworben wird. Ach hiervon zeigte sich der Centermanager überrascht. Schwanitz forderte Götte auf, sich umgehend selbst ein Bild von der Lage in Plauen zu machen.

Etwa zehn Minuten nach diesem Telefonat meldete sich ein Herr Meißner im Wahlkreisbüro des Abgeordneten. Herr Meißner, der offensichtlich sofort vom Centermanager über das gerade stattgefundene Telefonat informiert worden war, rief aus Berlin an und gab sich beim Telefongespräch mit Rolf Schwanitz als Geschäftsführer auch des Ladens in Plauen aus. Als die Ausführungen von Meißner einen immer drohenderen Unterton bekamen, beendete der Abgeordnete das Telefonat. Ein anschließender Blick ins Internet vervollständigte dann das Bild: Szenewaren der Marke Thor Steinar werden nicht nur durch den Hersteller MediaTex GmbH direkt vertrieben. Es existiert auch ein Thor Steinar Outlet-Vertrieb, welcher ein Angebot der SkyTec Outlets GmbH ist. Diese wird vertreten durch den Geschäftsführer Michael Meißner. „Ich habe keinen Zweifel, dass es sich dabei um ein und dieselbe Person handelt“, resümiert Rolf Schwanitz. Der Hinweis des Centermanagers, man habe gar keinen Mietvertrag mit dem Thor-Steiner-Hersteller ist formal zwar richtig, faktisch aber bedeutungslos. Auch das ist für Rolf Schwanitz ein klares Signal, dass die Kolonnaden GbR jetzt umgehend handeln muss.

Quelle:
Spitzenstadt – Das Online-Magazin für Plauen/ 18.11.2009

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