Mitarbeiter des Neonaziladens greift Jugendliche an « DasLetzte.blogsport.de

Mitarbeiter des Neonaziladens greift Jugendliche an

Zwickau. „Wir wollten die Bürger und Bürgerinnen der Stadt über die Machenschaften der Mitarbeiter und die Klamotten, die im „Eastwear“ verkauft werden aufklären.“, so einer der Jugendlichen, die am vergangenen Samstag in der Kreisigstraße Infoblätter an Passant_innen verteilten.

Das Geschäft vertreibt eindeutig neonazistische Artikel, wie z.B. Kleidung und DVDs. Während der ursprüngliche Begründer des Ladens aus dem Umfeld des verbotenen „Blood an Honour“ Netzwerkes stammt, hat sich die inhaltliche Ausrichtung auch nach Betreiberwechsel bis heute nicht verändert und stellt einen wesentlichen Anlaufpunkt für die Zwickauer und sächsische Neonaziszene dar. Unter Nazis beliebte Kleidungsmarken wie „Thor Steinar“ und „Brachial“ werden hier verkauft.

Die Jugendlichen konnten nur kurze Zeit Informationsblätter über die Ausrichtung des Geschäftes verteilen. Der Betreiber des Ladens, Marco H., und Mitarbeiter Michael S. wurden auf die Jugendlichen aufmerksam und kamen aus dem Geschäft. Inhaber Marco H. schlug erst einem Jugendlichen mit der flachen Hand ins Gesicht und verletzte im weiteren Verlauf einen anderen durch einen Faustschlag im Gesicht.

Marco H. drohte damit, dass in wenigen Minuten ein „Aufräumkommando“ kommen würde. Kurze Zeit darauf trafen vor dem Geschäft weitere Personen ein, die ihrem äußeren Erscheinungsbild nach deutlich der Neonaziszene zuzuordnen waren.

Die Jugendlichen alarmierten die Polizei, die – laut deren Äußerung – zuerst die Anzeigen wegen Körperverletzung aufnahm, dann aber den Jugendlichen einen Platzverweis für den gesamten Innenstadtbereich erteilte. „Das ist doch nur ein normales Geschäft“, meinte noch einer der Polizeibeamten zu den Jugendlichen. Das Gegenteil zeigen die Rechercheergebnisse des Ladenschlussbündnisses Zwickau. Der Zusammenschluss mehrerer Vereine und Einzelpersonen klärt über die neonazistischen Artikel, welche im Laden angeboten werden, auf und fordert die Schließung des Geschäftes.

André Löscher von der Opferberatung lobt das Engagement der Jugendlichen und des Bündnisses: „Derartige Läden tragen zur Normalisierung des neonazistischen Lifestyles bei. Eine wirksame Strategie gegen neonazistische Strukturen ist, den Zugang zu szenetypischer Kleidung und Musik zu erschweren“.

Die Opferberatung des RAA Sachsen e.V. berät und unterstützt Betroffene neonazistischer und rassistischer Gewalt. „Oft folgt einem solchen Angriff eine juristische Auseinandersetzung, die die Betroffenen manchmal über einige Jahre hinweg immer wieder mit dem Angriff konfrontiert. Unsere Aufgabe ist es z. B. die Betroffenen in dieser Auseinandersetzung möglichst zu stärken und zu begleiten“, so André Löscher weiter.

Quelle:
Opferberatung des RAA Sachsen e.V./ Andre Löscher und Juliane Wetendorf/ 26.05.2010

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