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LIEBE ZWICKAUERINNEN UND ZWICKAUER

Mitten in Zwickau befindet sich der Bekleidungsladen „Eastwear“ (ehemals „The Last Resort Shop“). Er ist ein wichtiger Anlaufpunkt der regionalen Neonazi-Szene. In der Kreisigstraße werden durch den Verkauf einschlägiger Tonträger und Kleidung seit über zehn Jahren menschenverachtende Einstellungsmuster reproduziert. Bisher ohne nennenswerten Widerstand.

Eine umstrittene Marke

„Thor Steinar“ ist die derzeit beliebteste Bekleidungsmarke von Rechten und Neonazis. Sie findet sich auch im Sortiment des Naziladens „Eastwear“. Die Marke bewegt sich mit vieldeutigen Symbolen, Bildern und Inhalten in einer rechtlichen und moralischen Grauzone. Dies ermöglicht es ihr, ein breites Spektrum an TrägerInnen anzusprechen. Die besondere Auswahl der Motive, Farben, Schriftzüge und Inhalte eröffnet Deutungsmöglichkeiten bezüglich nordisch-völkischer Mythologie, Kolonialismus, Nationalsozialistischer Ideologie und Gewalt. Auf diese Weise wird der ungehinderte Transport von menschenverachtenden Inhalten in die Gesellschaft möglich. Dieser neuartige Weg bietet den TrägerInnen die Möglichkeit, ihre Ideologie öffentlich zur Schau zu stellen, ohne hierbei jedoch in den Fokus gesellschaftlicher Ächtung zu geraten. Bei keinem Neonazi-Aufmarsch fehlt mittlerweile die „Thor Steinar-Uniformierung“.

Mehr als nur „Thor Steinar“

Doch bei „Thor Steinar“ bleibt es im Naziladen „Eastwear“ nicht. Das Geschäft wurde Ende der 90er Jahre von Ralf Marschner unter dem Namen „The Last Resort Shop“ eröffnet. Dieser stammt aus dem Umfeld des mittlerweile verbotenen internationalen Nazi-Netzwerks „Blood & Honour“ (deutsch: „Blut & Ehre“). Schon der Name des Ladens lässt Kenner der neonazistischen Musikszene aufhorchen; dieser war eine Anlehnung an den bekannten Londoner Skinhead-Szeneladen „The Last Resort“. Anfang der 80er Jahre hatte dieser als Ausgangspunkt von „Blood & Honour“ einen großen Einfluss auf die Radikalisierung der internationalen Neonazi-Szene. Während sich andere Bekleidungsgeschäfte mit „Thor Steinar“-Sortiment eher in einer Grauzone bewegen, sind die Intensionen des Zwickauer Exemplars völlig eindeutig.

So ist auch die weitere Entwicklung des Ladens und seines Eigentümers nicht verwunderlich. Marschner hatte im Jahr 2000 Anteil an der Produktion und am Vertrieb einer verbotenen CD der Band „Landser“. Er musste sich deshalb im November 2004 vor dem Dresdner Landgericht wegen Verbreitung von neonazistischer Propaganda verantworten. Die betreffende Musikgruppe wurde in der Folge letztinstanzlich im März 2005 vom Bundesgerichtshof zur kriminellen Vereinigung erklärt. Die in rechten Kreisen beliebten Kleidungsmarken „Barstool Sports“ und „Brachial“ gehen ebenfalls auf Marschner zurück und finden sich bis heute im Laden.

Nach Streitigkeiten wird der Naziladen „The Last Resort“ (heute: „Eastwaer“) mittlerweile seit mehreren Jahren von einem neuen Eigentümer geführt; an der inhaltlichen Ausrichtung des Geschäfts änderte dies freilich nichts. Es ist davon auszugehen, dass Einnahmen aus dem Geschäft teilweise zurück in die rechte Szene fließen. Für die in rechten Hooligankreisen beliebten „Fight Club“-Veranstaltungen machte das Geschäft wiederholt als Sponsor und Vorverkaufsstelle auf sich aufmerksam. Auch der als rechtsoffen bekannte Fussballclub „Schedewitz 98″ wurde bereits vom Laden unterstützt. Aufgefallen ist der neue Besitzer weiterhin durch mehrere Gerichtsverfahren mit anschließender Verurteilung aufgrund des Verkaufs verbotener Nazi-CDs. Die überragende szeneinterne Bedeutung wurde zuletzt deutlich, als sich im Dezember 2007 spontan 120 Nazis in der Kreisigstraße einfanden, um „ihren Laden“ gegen vermeintliche Angreifer zu verteidigen.

10 Jahre sind genug

Eine öffentliche Debatte führte Anfang Juli 2009 dazu, dass die Eröffnung eines Geschäfts der Firma „Brachial“ in der Zwickauer Innenstadt verhindert werden konnte. Diese Entwicklung stimmt uns optimistisch. Denn auch diese Kleidungsmarke kommt aus der Neonazi-Szene und wird bevorzugt in dieser getragen.

Das Aktionsbündnis gegen den Naziläden schloss sich zusammen, um mit unterschiedlichen Aktionen auf den Laden selbst, „Thor Steinar“ und neonazistische Alltagskultur allgemein, aufmerksam zu machen. Das Ziel der Kampagne „Ladenschluss Jetzt!“ wird unterstützt durch eine Vielzahl von regionalen Gruppen, Projekten und Organisationen. In den nächsten Wochen und Monaten wird es verschiedene Aktionen zur Thematisierung des Ladens geben. Das Ziel aller Aktivitäten wird dabei sein, dass der Naziladen „Eastwear“ nicht mehr ungestört den Alltagsbedarf für den neonazistischen Kleiderschrank verkaufen kann und schlussendlich geschlossen wird.
smilie
Kampagne gegen Naziläden in Zwickau!
Ladenschluss Jetzt!

UnterstützerInnen:

> Antifa Jugend Plauen

> „Baumhaus“ e.V. Zwickau, Roter Baum e.V. Ortsgruppe Zwickau

> „BiBaB“ e.V. Meerane, Bunt ist Besser als Braun e.V.

> Bündnis für Demokratie & Toleranz in der Zwickauer Region

> DGB Jugend Vogtland-Zwickau

> Erwin Killat, Ehrenbürger der Stadt Zwickau

> FAU Südwestsachsen, Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union

> Fraktion 42, Drum & Bass aus Chemnitz

> Freya-Maria Klinger, Mitglied des Sächsischen Landtages

> Front Deutscher Äpfel – Gau Westsachsen

> Gruppe AAK, Antifaschistische Aktion Karl-Marx-Stadt

> Gruppe AAWE, Autonome Antifa Westerzgebirge

> Gruppe ARTZ, Antifa-Recherche-Team-Zwickau

> Grüne Jugend Zwickau

> IG Metall Jugend Zwickau

> Junge Linke Zwickau

> Jusos Zwickau, Jugendorganisation der SPD Zwickau

> Ladenschluss-Bündnis-Sachsen

> Monika Lazar, Mitglied des Bundestages

> Pia Findeiß, Oberbürgermeisterin der Stadt Zwickau

> RAA Sachsen e.V., Opferberatung für Betroffene rechter Gewalt

> Sebastian Scheel, Mitglied des Sächsischen Landtages

> Stadt Zwickau

> Uwe Adamczyk, MdL a.D.

> VVN-BdA Zwickau, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der AntifaschistInnen

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